Warum ihr euch die Band Balloon Pilot anhören müsst

Mein Erlebnis mit Balloon Pilot

Schon aufgefallen? Band-T-Shirts sind meistens dunkel – übrigens nicht nur bei Metal-Bands. Beim Kauf bin ich sehr wählerisch, nicht nur was das Design angeht. Auch wenn ich schon vor dem Konzert ein Fan der Band war: Erst wenn sie mich live komplett umgehauen hat, bin ich bereit, über den Erwerb eines Merch-Artikels nachzudenken. Und landet dann ein T-Shirt in meinen verschwitzten Nach-Konzert-Händen, ist es meist entweder schwarz, dunkelblau oder -grau. Beim Gig von Balloon Pilot im Geltinger Hinterhalt hatte ich allerdings ein Erweckungserlebnis: Umgehauen hatten mich die schwebenden Soundwellen der Band sowieso. Aber dann übergab mir Sänger Matze Brustmann auch noch ein weißes Shirt – zu einem sehr fairen Preis, wenn man die gierige Merch-Maschinerie mancher Pop-Größen kennt.

Balloon Pilot – wie bitte?

Ähnlich wie Shearwater ist Balloon Pilot eher ein Projekt mit wechselnden Musikern. Ein paar Stammspieler dribbeln aber schon in der Gruppe, die ihre beiden Alben über Mehmet Scholls Label Millaphon veröffentlicht hat. Mannschaftskapitän und Ballonführer ist Songwriter Matze Brustmann. Er schreibt all diese nachdenklichen Folk-Pop-Nummern und schickt Audio-Spuren durch Deutschland, wo die Kollegen in ihren Ballonkörben sitzend daran weiterbasteln. Dass das funktioniert, ist aber nicht erstaunlich. Denn am anderen Ende der Internetleitung warten musikalische Genies wie Schlagzeuger Andi Haberl, der unter anderem bei The Notwist trommelt.

Meine Top 5 Balloon Pilot-Songs

Darum müsst ihr Balloon Pilot live erleben

Selten beschreibt ein Bandname den Sound so treffend. Die meisten Songs schweben langsam los, nehmen immer mehr Fahrt auf und eskalieren irgendwann komplett. Dann werden vermeintliche Schmuselieder zu rockigen Energieshakes. Wohlgemerkt: nur live. Also gönnt euch mal eine Ballonfahrt.

Wenn euch Balloon Pilot gefallen, hört euch unbedingt auch Mandolin Orange an. Die verkaufen übrigens auch weiße T-Shirts. An welche Bands erinnern euch Balloon Pilot? Ab damit in die Kommentarspalten.

Warum ihr euch die Band The Flatliners anhören müsst

Mein Erlebnis mit den Flatliners

Mein tollstes Erlebnis mit den Flatliners hab‘ ich leider verpasst. Auf dem Bild, das meine Freunde mit der Band zeigt, sollte auch ich drauf sein. Bin ich aber nicht. Eine Enttäuschung, an der ich auch zwei Jahre später noch knabbere. Die intelligenten kanadischen Punkrocker spielten als Vorband der Allstar-Combo „Me First and the Gimme Gimmes“. Eigentlich nerven mich Vorbands, weil sie so oft so uninspiriert, ja fast schon gelangweilt ihr Zeug runterdudeln. Die uninspirierteste und gelangweiligste Vorband musste ich bei Mumford & Sons in der Münchner Olympiahalle 45 Minuten lang aushalten. Ihren Namen verschweige ich fairerweise hier. Echte Einheizer sind rar. Zurück zu den Flatliners, der besten Vorband der Welt. Wenige Minuten nach dem halbstündigen Flatliners-Energie-Schock waren plötzlich viel mehr Menschen (für die „Gimme Gimmes“) da – und meine Freunde verschwunden. Sie ließen sich Arm in Arm mit den Flatliners fotografieren. Vor der Tür. „Wir haben dich auf einmal nicht mehr gesehen“, sagten sie hinterher. Ich hingegen vermute eine böse Verschwörung. Ich werde das einen Privatdetektiv aufklären lassen.

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The Flatliners – wie bitte?

Google sortiert Frontmann Chris Cresswell unter dem Genre „Klassische Musik“ ein. Unpassend – aber nur auf den ersten Blick. Was Cresswell mit seiner Gitarre macht, während er dazu singt, ist koordinative Champions League. Kapier ich als Amateurmusiker nicht. Wie so vieles in der Klassik. Also hat Google schon wieder ein bisschen recht. So, aber jetzt kurz und knapp: Die Flatliners, gegründet 2002 in Toronto, verbinden großartige Melodien mit knallhartem Punkrock. Besser, anders, spannender als so viele andere.

Meine Top 5 Flatliners-Songs

Hier könnten auch fünf andere Songs stehen. Selten ist mir eine Entscheidung in meinem Leben so schwer gefallen. Die Lieder sind übrigens von vier verschiedenen Alben.

Darum müsst ihr die Flatliners live erleben

Die bewährte Rock-Rezept, eine Band mit Rhythmus- und Lead-Gitarre zu besetzen, interessiert die Flatliners nicht. Sänger Chris Cresswell und Scott Birgham wechseln sich mit Riffs und Soli ab. Mehrmals während eines Songs. Ein echter Hingucker für Gitarristen. Vorteile bieten die Flatliners auch im CD-Player des eigenen Autos. Ein guter Freund muss so schon viel Sprit gespart haben. Er ist überzeugt: „Wenn die Flatliners laufen, musst du nicht mehr Gas geben.“

Wenn euch The Flatliners gefallen, hört euch unbedingt auch Manchester Orchestra an.
An welche Bands erinnern euch The Flatliners? Ab damit in die Kommentarspalten.

Warum ihr euch die Band Mandolin Orange anhören müsst

Mein Erlebnis mit Mandolin Orange

Es ist der 16. Mai 2017, ein Dienstagabend, 20.18 Uhr, als mir ein Bandkollege schreibt: „Mandolin Orange. Wunderschöner Zwei-Personen-Folk.“ Was sich für mich als Sensation herausstellen soll, erfahre ich per What’s App. Eine Sensation gab es schon mal am 16. Mai. Im Jahr 1923. Die erste vollautomatische Telefon-Fernvermittlungsstelle der Welt, die Netzgruppe Weilheim, die 22 Ortsnetze innerhalb von nur 25 Kilometern versorgte, ging in Weilheim in Oberbayern in Betrieb. An What’s App war damals noch nicht zu denken. Ich denke seit dem 16. Mai 2017 eigentlich täglich an Mandolin Orange – und ich höre ihre kuschlig-kluge Sonntagsmusik konsequenter als viele andere Bands, wie meine Last.fm-Statistik beweist.

Mandolin Orange – wie bitte?

Andrew Marlin (Mandoline, Gitarre, Banjo) und Emily Frantz (Geige, Gitarre, E-Gitarre) sind in North Carolina mit Bluegrass aufgewachsen. So automatisch-gekonnt ich mir morgens mein Frischkäse-Marmeladen-Brot streiche, so nebenbei spielen die beiden ihren „wunderschönen Zwei-Personen-Folk“ und singen dann auch noch pefekt zweistimmig. Wie ich sie hasse.

Meine Top 5 Mandolin Orange Songs

Darum müsst ihr Mandolin Orange live erleben

Der Mandolinen-Messias Andrew Marlin gönnt sich auf der Bühne gerne eine Extraportion Solo. Und wenn ihm ein Riff besonders gut gelingt – und ihm gelingt immer alles – rutscht diesem sonst recht gleichmütig schauenden Typen ein entzücktes Lächeln raus. Aber keine Spur von Selbstbeweihräucherung, sondern die pure Freude an der Musik.

Wenn euch Mandolin Orange gefallen, hört euch unbedingt auch Matthew and the Atlas an.
An welche Bands erinnern euch Mandolin Orange? Ab damit in die Kommentarspalten.

Warum ihr euch die Band Shearwater anhören müsst

Mein Erlebnis mit Shearwater

Jetzt ist Jonathan Meiburg wieder Ornithologe, fünf Minuten, nachdem er seine Fender-Stratocaster weggelegt hat. Dass der Gründer von Shearwater, wenn er nicht gerade sphärische Indie-Rock-Hymen schreibt, Vögel beobachtet, kann ich mir bestens vorstellen. Wie er da am Bühnenrand sitzt mit seiner Stoffhose, der Brille und der Normalo-Frisur. Shearwater heißt übrigens Sturmtaucher. Für mich ist Meiburg aber vor allem ein musikalisches Genie, das sich jetzt auch noch Zeit nimmt, mit meinen Bandkollegen und mir zu plaudern. Ganz unaufgeregt, leise spricht der Mann aus Texas. „Do you have a band?“, fragt er irgendwann. Passt zu seiner bescheidenen Art. Nur nicht zu viel von sich selbst reden. Und Glück für uns: Jetzt können wir ihm unser No Man’s Land-Plek in die Hand drücken und ihn damit fotografieren. Meiburg lächelt brav. Dann greift er in die Stoffhosentasche und drückt mir sein Plek in die Hand. Was für ein Abend!

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Meine Bandkollegen und ich mit Jonathan Meiburg // Foto: Arndt Pröhl (www.arndtproehl.de)

Shearwater – wie bitte?

Eine Asiatin mit Kleid am Keyboard, eine zierliche Frau mit Kurzhaarschnitt am Fretless-Bass und ein junger Schlagzeuger, der um sein Leben spielt? Die Band sah in den Youtube-Videos doch ganz anders aus als hier beim Gig in München? Sah sie auch mal. Denn Mastermind, Sänger und Gitarrist Jonathan Meiburg sucht für jede Tour und für jedes Album die passenden Musiker zusammen. Shearwater ist mehr ein Projekt als eine Band. Und gerade das macht es so spannend.

Meine Top 5 Shearwater-Songs

Darum müsst ihr Shearwater live erleben

Weil es immer eine Überraschung ist, in welcher Mannschaftsaufstellung sie spielen. Weil sie – zumindest im Jahr 2016 noch – nur 16 Euro Eintritt verlangen, ihre Verstärker selbst aufbauen, ihre T-Shirts selbst verkaufen und unmittelbar nach dem Konzert für Fans ansprechbar sind.

Warum ihr euch die Band Augustines anhören müsst

Mein Erlebnis mit den Augustines

Sänger William Mc Carthy steht nach der Show rauchend vor der Tür des Münchner Liveclubs. 16 Minuten, 22 Sekunden stehe ich an, um ihm einmal die Hand schütteln zu dürfen. Nur noch ein Mädchen vor mir. Was quasselt die denn so viel? Unendliche Sekunden verstreichen. Ein Erinnerungs-Selfie muss her. Unbedingt, denke ich. Ein natürlicher Reflex in Smart-Phone-Zeiten. Doch Mc Carthy, der sich endlich mir zuwendet, lehnt ab. Kein Foto bitte, lieber ein gutes Gespräch, sagt er. Schon bereue ich, dass ich überhaupt nur an das Selfie gedacht habe – wo mich die Teenies, die Konzerte nur noch durch ihr Iphone-Display verfolgen, doch so aufregen. Mc Carthy – oder  Billy, wie ich ihn jetzt nennen darf, erzählt, dass er Menschen kennen lernen will – und eben nicht nur ihr neues Samsung Galadingsbums. Dass er nach Gigs nur noch Fotos machen muss. Dass er die Leute, die seine Musik hören gar nicht mehr fragen kann, warum sie das tun. Das passt zu meinem bisherigen Mc Carthy-Bild: dem Typen, der mit dem Motorrad durch Europa fährt und bei anderen auf der Couch pennt. Jetzt muss ich mich verabschieden. Vielleicht für immer. Die Mädchen hinter mir wollen auch ran. Aber jetzt umarmt Billy erstmal mich. Ich speichere die Begegnung – zwar nicht auf meiner Sim-Karte, aber tief im Herzen.

Augustines – Wie bitte?

Drei Männer, die einen verrückten Trompeter mitbringen, der wie ein Hip-Hopper aus Berlin-Kreuzberg aussieht. Augustines sind aber eine Indie-Rock Band aus Brooklyn, New York City. Wenn man bei einer Kapelle sagen kann, dass sie live besser ist als auf dem Album, dann sind es die Augustines.

Wichtige Anmerkung: 2016 verkündeten die Augustines ihre Auflösung. Grund: Das gnadenlose Musikbusiness, in dem Manager oft mehr Geld einstreichen als die Künstler. Die Band hat ihr Ende in einem bemerkenswerten Brief an die Fans begründet.

Meine Top 5 Augustines-Songs 

Darum müsst ihr die Augustines live erleben

Hach, da kommen sie, meine alten Freunde, die ich seit ungefähr 27 Jahren kenne und die nur für mich ihre Hymnen rausrocken: Wer die Augustines mal zehn Minuten live erlebt hat, bekommt diesen Eindruck. Zumindest bei mir ist es so. Wie Sänger William Mc Carthy erst breit grinsend an seinem Whisky nippt und dann die Gitarre schrammelt als würde er den zähesten Parmesan-Prügel Italiens zu Brei raspeln. Bis ihm eine Saite reißt. Glück für mich: So kann ich eine der skurrilen Geschichten Mc Carthys hören, die er sonst nicht erzählt hätte. Und übrigens: Die Augustines spielen noch echte Zugaben. Man weiß also nie, wie viele davon kommen.

Wenn euch Augustines gefallen, hört euch unbedingt auch Pela an.
An welche Bands erinnern euch Augustines? Ab damit in die Kommentarspalten.